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Das Taktik-Spielkonzept
Vermittlung von Sportspielen im Sportunterricht

Das Taktik-Spielkonzept

Das Taktik-Spielkonzept ist international ein weitverbreitetes Spielkonzept. Das Konzept bzw. zugehörige Modelle sind in den USA bekannt unter den Begriffen "Teaching Games for Understanding" (häufig abgekürzt: TGfU), "Tactical Games Model (TGM)", "Tactical Games Approach (TGA)", "Game Sense", "Concept Based Games".

Das Konzept entspricht dem internationalen Trend der Sportspielvermittlung, bei dem die Frage nach dem, was zuerst kommen muss - das Üben von Techniken oder das Spielen - eindeutig beantwortet ist:

"Das alters- und entwicklungsgemäße Motto lautet ‚Spielen vor Üben!’“ (Roth, 2005, S. 290).

spu 9/2006 "Sportspiele vermitteln"

Themaheft sportunterricht 9/2006: "Sportspiele vermitteln"

Mit Beiträgen von Bohler, Fisette (USA) und Timmers et al. (Niederlande) zum Taktik-Spielkonzept

Grundsätze des Taktik-Spielkonzepts

- Lehre zuerst, was zu tun ist (Entwicklung des Taktikbewusstseins), erst danach, wie es zu tun ist.

- Ein Sportspiel kann auf jedem Fertigkeitsniveau gespielt werden.

spu 11/2008 "Unterrichtsthema Sportspiele"

Themaheft sportunterricht 11/2008: "Unterrichtsthema Sportspiele"

Mit Beiträgen von Wurzel und  Hoss zum Taktik-Spielkonzept

Spielen können heißt, Spielprobleme lösen zu können. Diese Spielprobleme liegen zunächst und vor allem in dem Problem, den Spielgedanken zu realisieren. Dies ist auf jedem Fertigkeitsniveau möglich, und so ist es möglich, von Anfang des Lernprozesses an zu spielen. Die Realisierung des Spielgedankens erfolgt mit zunehmend komplexeren taktischen Maßnahmen.

Die Spielprobleme können auch darin liegen, ein Spiel in Gang zu setzen und aufrechtzuerhalten. Dieses macht es notwendig, sich mit den Mitspielern zu verständigen, und fordert und schult die Fähigkeit, für ein erkanntes Problem Lösungsstrategien zu entwickeln.

Ein Spielvermittlungskonzept, das mit dem isolierten Erwerb von Techniken beginnt, führt bekanntermaßen nicht dazu, dass die erlernten Techniken im Spiel auch angewendet werden. Die Schüler können den Korbleger, aber sie erkennen nicht die Situation, in der sie den Korbleger anwenden können. Sie können den Schmetterschlag im Volleyball ausführen, wenn der Ball gut gestellt wird und sie den Ball im Stand erwarten, aber im Spiel spielt der Mitspieler lieber selbst über das Netz, weil er nicht das notwendige Taktikbewusstsein hat. Und wenn der Ball doch gestellt wird, dann nicht so exakt, wie es geübt worden ist, und der Ball kann nicht verwertet werden. Jeder kennt solche Situationen.

Das Taktik-Spielkonzept setzt beim Wunsch der Schüler zu spielen an. Den Schülern werden vor überschaubare Spielprobleme des Zielspiels gestellt, die sie mit den vorhandenen spielerischen Fertigkeiten lösen können.

Die Lösung der Probleme im Spiel, das Nachdenken und Sprechen über die Probleme und das Suchen nach verbesserten Lösungsmöglichkeiten führt dazu, dass die Schüler in die Lage versetzt werden, ein Spiel in Gang zu setzen und aufrechtzuerhalten.

Ausgangspunkt des Lernprozesses ist eine „spielechte“ Spielform, die auf die ausgewählte zu erlernende Taktik reduziert ist. Aus dem Spiel heraus erwachsen die Erkenntnisse, „was“ zu tun ist, um erfolgreich spielen zu können. Durch eine nachfolgende Übung lernen die Schüler, „wie“ sie das „was“ besser ausführen können. Die gleiche oder eine erweiterte Spielform kann dann auf einem verbesserten Niveau durchgeführt werden. (s. Abb.1: "Kreis-Spiral-Modell", Wurzel, 2008, 343).

 Abb. 1: "Kreis-Spiral-Modell", Wurzel, 2008, 343

Verwendete Literatur

Griffin, L./ Mitchell, A./Oslin, J. (1997). Teaching Sport Concepts and Skills. A Tactical Games Approach (Includes 169 lessons). Human Kinetics.

Mitchell, S. A., Oslin, J. L. & Griffin, L. L. (2006). Teaching Sport Concepts And Skills. A Tactical Games Approach. (2nd Ed.). Champaign: Human Kinetics.

Roth, K. (2005). Sportspiel-Vermittlung. In A. Hohmann, M. Kolb & K. Roth (Hrsg.), Handbuch Sportspiel (S. 290 - 308). Schorndorf: Hofmann.

Wurzel, B. (2008): Was heißt hier spielgemäß? Ein Plädoyer für das "Taktik-Spielkonzept" bei der Vermittlung von Sportspielen. In: sportunterricht 57 (11), 340 - 345.

Weitere Literatur zur Auseinandersetzung mit dem Taktik-Spielkonzept

Bietz, J. (1994). Die spielgemäße Vermittlung des Handballspiels. In: sportunterricht 43  (9), 372 - 381.

Bietz, J.(1998). Sportspielvermittlung - Konzepte, Probleme, Perspektiven. In: sportunterricht 47  (7), 267 - 274.

Bohler, H.R. (2006).  Spielen lernen durch Taktik lernen - Beispiel Netz- und Wandspiele. In: sportunterricht 55 (9), 260 - 266.

Bunker, D. & Thorpe, R. (1982). A model for the teaching of games in secondary schools. Bulletin of Physical Education. 18 (1), 5 - 8.

Dietrich, K. (1984). Vermitteln Spielreihen Spielfähigkeit? In: sportpädagogik 8 (1), 19 - 21.

Fisette, Jennifer L. (2006). Spielverständnis lehren durch das "Taktik-Spiel-Modell" - Beispiel Basketball. In: sportunterricht 55  (9), 267 - 272.

Hoss, B.(2008). Volleyball spielend erlernen. Ein Konzept für bewegungsintensiven Sportspielunterricht. In: sportunterricht 57 (11), 346 - 350.

Hübinger, B. (2006). Sportspiele unterrichten - ein Pädagogisches Sportspielkonzept. In: sportunterricht 55  (9), 273 - 278.

Hübinger, B. (2006). Thematisieren von zentralen Spielhandlungen in Rückschlagspielen. In: Lehrhilfen für den sportunterricht 55  (9), 1 - 3.

Kolb, M. (1997). Ein Weg zur Vermittlung des Standwurfes im Basketball im Rahmen eines spielgemäßen Konzepts. In: sportunterricht. 46  (5), 199 - 207.

Kolb, M. (1998). Ein Weg zur Vermittlung des Korblegers im Basketball im Rahmen eines spielgemäßen Konzepts. In: Lehrhilfen  für den sportunterricht. 47 (5), 71 - 75.

Loibl, J. (1995). Basketball vermitteln - und erfahren lassen. In: sportpädagogik 19  (1), 30 -32.

Loibl, J. (2000). Integrieren statt Isolieren. Üben in komplexen Bewegungszusammenhängen. In: FRIEDRICH JAHRESHEFT XVIII: Üben und Wiederholen. Sinn schaffen - Können entwickeln. S. 98 - 100.

Loibl, J. (2001). Basketball. Genetisches Lehren und Lernen. Schorndorf.

Mitchell, S. A., Oslin, J. L. & Griffin, L. L. (2013). Teaching Sport Concepts And Skills . A Tactical Games Approach for Ages 7 to 18. (3. Ed.). Human Kinetics.

Te Poel, H.-D. (2005) Bewegungsfeld Spiele – Zur Begründung des Bewegungsfeldes Spiele. Teil 1. In: Lehrhilfen für den sportunterricht. 54 (4), 5 -7.

Te Poel, H.-D. (2005) Bewegungsfeld Spiele – Zur Begründung des Bewegungsfeldes Spiele. Teil 2. In: Lehrhilfen für den sportunterricht. 54 (5), 1 - 6.

Thorpe, R., Bunker, D., Almond, L.(1986) Rethinking Games Teaching. Loughborough.

Timmers, E./Meertens, T./Maarten, M./Wurzel, B. (2006). Lernen, "klug" Fußball zu spielen. In: Lehrhilfen für den sportunterricht 55  (9), 5 - 8.

Wurzel, B. (2005). Spielgemäße Einführung des Volleyballspiels mit Medienunterstützung. In: Lehrhilfen für den sportunterricht 54  (1), 1 - 5.

Wurzel, B. (2011). Flag-Football spielen lernen nach einem Taktik-Spiel-Modell. In: sportpädagogik 35 (3+4), 64 - 67.

Dr. Bettina Wurzel
Erstfassung: 26.10.2006
Bearbeitet: 21.1.2014

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