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Das Taktik-Spiel-Modell nach Griffin, Mitchell, Oslin 
Vermittlung von Sportspielen im Sportunterricht nach dem Taktik-Spielkonzept

Das Taktik-Spiel-Modell  (Tactical Games Approach) nach Griffin, Mitchell und Oslin (USA) (1997, 2006, 2013)

Das Taktik-Spiel-Modell  (Tactical Games Approach) nach Griffin, Mitchell und Oslin (USA) (1997, 2006, 2013) ist  wohl die bedeutendste, weil wegweisende Form der Realisierung des Taktik-Spielkonzepts.

In der 1. Auflage (1997) ihres Buches "Teaching Sport Concepts and Skills" stellen die Autoren Griffin, Mitchell und Oslin 169 ausgearbeitete Unterrichtseinheiten in den Sportspielen Fußball, Basketball, Volleyball, Badminton, Tennis, Softball und Golf vor. Die Liste der Sportspiele ist in der 2. Auflage (Mitchell, Oslin, Griffin, 2006) noch erweitert; die Unterrichtseinheiten sind überarbeitet. Mittlerweile liegt die dritte Auflage vor (Mitchell, Oslin, Griffin, 2013)

Durch die präzise Ausarbeitung vieler Unterrichtsstunden kann das Taktik-Spiel-Modell von Griffin, Mitchell und Oslin demjenigen, der sich in das Taktik-Spielkonzept einarbeiten will, eine Fülle von Anregungen geben. Der Leser findet zu nahezu allen taktischen Spielproblemen, die er in seinen Klassen und Kursen vorfinden wird, geeignete Spielformen.

Im Themaheft der Zeitschrift "sportunterricht" 9/2006 wird das Konzept von Griffin, Mitchell und Oslin durch deren Mitarbeiterinnen Bohler und Fisette erstmals in deutscher Sprache vorgestellt.

spu 9/2006 "Sportspiele vermitteln"

Themaheft sportunterricht 9/2006: "Sportspiele vermitteln"
Mit Beiträgen von Bohler und Fisette (USA), die das Taktik-Spiel-Modell ("Tactical Games Approach") von Griffin/Mitchell/Oslin in deutscher Sprache vorstellen.

Grundsätze des Taktik-Spiel-Modells nach Griffin, Mitchell & Oslin

  • Lehre zuerst, was zu tun ist (Entwicklung des Taktikbewusstseins), erst danach, wie es zu tun ist.
  • Die Schüler lernen, indem sie Spiele spielen, die in engem Zusammenhang mit dem Zielspiel stehen.
  • Der Lehrer bietet Spiele an, die ein bestimmtes, dem Zielspiel eigenes taktisches Problem enthalten; die Schüler sind verantwortlich für ihr Lernen, indem sie Entscheidungen treffen müssen. (vgl. Fisette, 2006, 268)
  • Die Spielkategorien (s. Klassifikationsschema) ermöglichen, Spieltaktiken spielübergreifend zu lehren und lernen. Schüler lernen Taktiken gründlicher, wenn sie mehrere Spiele einer Kategorie erlernen, anstatt quer durch sämtliche Kategorien. (Fisette 2006, 268)
  • Mit der von Griffin/Mitchell/Oslin vorgeschlagenen Struktur einer Unterrichtseinheit "Spiel 1 -> Frage/Antwort 1 -> Übung -> Frage/Antwort 2 -> Spiel 2" ist die Vorgehensweise, die das Taktik-Spiel-Modell prägt, induktiv und richtet sich nach dem Prinzip Praxis - Theorie - Praxis.

Das Klassifikationsschema der Sportspiele als Basis

Die Spiele einer Kategorie ähneln sich in den Spieltaktiken. Das Klassifikationsschema (zitiert nach Fisette, 2006, 267) folgt den amerikanischen Autoren und unterscheidet sich von der in Deutschland üblichen Einteilung.

  • Invasionsspiele ("invasion games") "Die Spieler punkten, indem sie einen Ball bzw. ein Objekt in das gegnerische Territorium in ein offenes oder fixiertes Ziel bringen (z.B. Basketball, Fußball, Hockey, Ultimate Frisbee, Football)."
  • Netz-/Wandspiele ("net/wall games") "Die Spieler punkten, indem sie einen Ball so über ein Netz in ein markiertes Feld oder gegen eine Wand schlagen, dass die Gegner den Ball nicht zurückschlagen können (z.B. Volleyball, Badminton, Tennis, Racquetball, Squash)."
  • Schlag-Lauf-Spiele ("Fielding/run-scoring games") "Die Spieler des Schlagteams müssen den Ball so schlagen oder kicken, dass die Spieler des Feldteams den Ball nicht erreichen und die Läufer des Schlagteams Zeit haben, zwischen zwei Markierungen zu laufen (z.B. Baseball, Kricket, Kickball)."
  • Zielspiele ("target games") Die Spieler punkten, indem sie ein Ziel mit dem Ball erreichen, entweder durch Werfen oder Schlagen des Balles, mit oder ohne Gegner (z.B. Golf, Krocket, Bowling)."

Taktische Probleme und Niveaustufen ("Levels")

Griffin, Mitchel & Oslin  (1997, 2006) ordnen jedem Sportspiel verschiedene Levels der taktischen Komplexität zu. Zu jedem Level werden taktische Probleme und die zur Lösung notwendigen "Bewegungen ohne Ball" und "Fertigkeiten mit Ball" genannt. Dadurch wird es möglich, für das jeweilige Können der Schüler die zu vermittelnden taktischen und technischen Elemente präzise zu benennen (s. Fisette, 2006, 269, 270).

 

Allgemeine Struktur einer Unterrichtseinheit: Spiel 1 - Frage/Antwort 1 - Übung - Frage/Antwort 2 - Spiel 2

Spiel 1

Modifiziertes Kleinfeldspiel, das das von den Schülern zu lösende taktische Problem enthält.

Frage/Antwort 1

Aus der Beobachtung der Schüler während Spiel 1 ergeben sich die Fragen der Lehrperson an die Schüler (induktives Vorgehen zur Lösung des Taktikproblems). Diese Fragen sind vorwiegend Fragen mit "was?", "warum", "wie?",

zum Beispiel:

  • "Was war das Ziel des Spiels?"
  • "Wie hast du dich verhalten?
  • "Was musst du in dieser Situation tun?
  • "Warum ist dieses Verhalten taktisch 'klug'?"

Übung

Die Übung bezieht sich auf das taktische Problem. Hier werden den Schülern Hinweise zur Ausführung der für das Spiel relevanten Techniken mit Ball und Bewegungen ohne Ball gegeben.

Es ist möglich, dass sich die Übungsform nur minimal von der Spielform unterscheidet.

Frage/Antwort 2

s. Frage/Antwort 1

Spiel 2

Spiel 2 enthält denselben Ansatz und dasselbe Ziel wie Spiel 1. Änderungen ergeben sich daraus, dass die Elemente des Spiels, die geübt wurden, in Spiel 2 einbezogen werden. Das Spiel 2 kann dadurch etwas komplexer sein oder (bei gleicher Komplexität) mit besserer Qualität ausgeführt werden.

 

Beispiel Basketball -  1. Unterrichtseinheit des 1. Levels (nach Mitchell u.a., 2006, 91 - 92)

Taktisches Problem:

Den Korb angreifen

Schwerpunkt der Einheit:

Korbwürfe aus der Zone (1 m - 2,4 m vom Korb)

Gegenstände:

Passannahme, den Körper zum Korb drehen, akkurate Korbwürfe

Spiel 1

3:3, halbes Feld

Ziel: Mache so viele Punkte wie möglich

Regeln: 3 Pässe, bevor auf den Korb geworfen wird; 1 Punkt für jeden Wurfversuch, 2 Punkte für jeden erfolgreichen Korbwurf; kein Dribbling

Frage/Antwort 1

  • "Was war das Ziel des Spiels?"
  • "Von welcher Stelle des Spielfeldes hast du die meisten Punkte gemacht?"
  • "Warum ist es besser, den Wurf nahe am Korb  auszuführen?"
  • "Was kannst du noch machen, um deine Erfolgschancen zu erhöhen?" (-> Brett als Ziel benutzen)

Übung

Korbwürfe aus verschiedenen Positionen. Partner rebounden den Ball und passen ihn akkurat zum Mitspieler. Werfer zeigen Zielhand, drehen sich zum Korb und werfen.

Spiel 2

3:3, halbes Feld

Ziel: Mache so viele Punkte wie möglich durch Korbwürfe.

 

Literatur

Bohler, H.R. (2006). Spielen lernen durch Taktik lernen - Beispiel Netz- und Wandspiele. Mit einem Unterrichtsbeispiel für die Grundschule. sportunterricht 55 (9), 260 - 266.

Fisette, Jennifer L. (2006). Spielverständnis lehren durch das "Taktik-Spiel-Modell" - Beispiel Basketball. Mit einem Unterrichtsbeispiel für die Sekundarstufe. sportunterricht 55  (9), 267 - 272.

Griffin, L./ Mitchell, A./Oslin, J. (1997). Teaching Sport Concepts and Skills. A Tactical Games Approach (Includes 169 lessons). Human Kinetics.

Mitchell, A./Oslin, J./Griffin,L. (2006). Teaching Sport Concepts and Skills. A Tactical Games Approach. (2nd Edition). Human Kinetics.

Mitchell, S. A., Oslin, J. L. & Griffin, L. L. (2013). Teaching Sport Concepts And Skills . A Tactical Games Approach for Ages 7 to 18. (3. Ed.). Human Kinetics.

Dr. Bettina Wurzel
Erstfassung: 26.10.2006
Bearbeitet: 21.1.2014

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