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Prüfkriterien zur Inklusion im Unterricht, 
speziell im Sportunterricht

 "Erstbeste Lösungen" als Gegenbeispiel für einen gewinnbringenden gemeinsamen Unterricht

Als "erstbeste Lösungen" bezeichne ich einfache Lösungen,

  • auf die schnell zugegriffen werden kann,
  • die jedoch die Ziele des gemeinsamen Unterrichts nicht genügend reflektieren und den gleichberechtigten Umgang der Beteiligten nicht fördern.

“Erstbeste Lösungen" sind verlockend, weil sie den gemeinsamen Unterricht von Kindern mit unterschiedlichen Voraussetzungen ohne allzu viele Probleme zu ermöglichen scheinen.

Beispiele für "erstbeste Lösungen":

  • Das Kind im Rollstuhl wird von den Mitschülern geschoben, obwohl es zur selbständigen Fortbewegung in der Lage ist.
  • Das blinde Kind wird im gemeinsamen Sportunterricht von den Sehenden an die Hand genommen und geführt.

Die Mängel:

  • Das Kind, das schnell unterstützt wird, damit es die Anforderungen im (Sport-)Unterricht realisieren kann, bleibt in der Rolle des Hilflosen.
  • Die Steigerung seiner Kompetenzen, wie Mobilität und Orientierungsfähigkeit, wird als Ziel nicht in den Blick genommen.
  • Der unterstützende Mitschüler erhält die Rolle des Helfers, die er ausfüllen muss, will er sich nicht als "unsozial" zeigen. Seine eigenen Lern- und Bewegungsbedürfnisse soll er - unter dem Argument des sozialen Verhaltens - zurückstellen.

Langfristig haben infolgedessen beide Parteien - die behinderten und die nichtbehinderten Kinder - Nachteile, wenn der Unterricht auf "erstbesten Lösungen" aufgebaut ist.

Prüfkriterien für den gemeinsamen (Sport-)Unterricht,  die "erstbeste Lösungen" vermeiden

Notwendige Prüfkriterien für die Qualität von Inhalten und Methoden des gemeinsamen Unterrichts sind:

  •  Fordern und fördern die Aufgabenstellungen die Handlungsfähigkeit und Selbständigkeit aller beteiligter Personen?
  • Können alle beteiligten Personen den Aufgabenstellungen einen Sinn zuschreiben?
  • Können die beteiligten Personen auch Erfahrungen machen, die ihren Einstellungen geradezu entgegengesetzt sind, die somit als Ausgangspunkt dienen können, Vorurteile kritisch zu überdenken?
  • Für den Sportunterricht: Führen die Aufgabenstellungen dazu, dass die mehrperspektivischen Ziele des Sportunterrichts allen beteiligten Personen vermittelt werden können?

Literaturhinweis

Wurzel, B. (2003). Was über „erstbeste Lösungen“ hinausgeht. sportpädagogik, 27 (4), 40-43.
Wurzel, B. (1997). Voraussetzungen, Chancen und Probleme eines gemeinsamen Sportunterrichts von Nichtbehinderten und Behinderten. sportunterricht, 46 (9), 389-394.

>> weiterführende Literatur- und Internetangaben

Dr. Bettina Wurzel
Erstellt: 31.3.2011
Aktualisiert:
16.12.2013

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